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Prader-Willi-Syndrom Vereinigung
Deutschland e.V.
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Therapien und Förderung für das Kleinkind

Physiotherapie

Wachsende Mobilität zeichnet die Kleinkindphase auch beim Prader-Willi Syndrom aus. Das PWS-Kleinkind beginnt, die Welt mit seinem ganzen Körper zu entdecken. Robben, sich drehen, krabbeln, sich hochziehen in den Stand, langsam einen Fuß vor den anderen setzen bis schließlich zum freien Laufen – alle Mittel sind recht, um seinen Aktionsradius zu vergrößern. Dabei kann die Physiotherapie je nach Entwicklungsstand des Kindes unterstützend tätig sein. Die Entwicklung von Gleichgewicht und Koordination und die Förderung von Bewegungsfreude und Kreativität stehen im Fokus der Bemühungen, die Grob- und Feinmotorik des muskelschwachen Kindes zu verbessern. Symmetrische Bewegungsmuster sind dabei genauso wichtig wie physiologische Fußbelastung und die aufrechte Rumpfhaltung.

Mögliche physiotherapeutische Therapieformen, individuell an Kind und Zielsetzung angepasst:

  • Dreidimensionale manuelle Fußtherapie nach Barbara Zukunft-Huber

Die deutsche Krankengymnastin Barbara Zukunft-Huber entwickelte diese Fußtherapie, die die normale Fußentwicklung des Kindes im 1. Lebensjahr zugrunde legt. Die Therapie kommt sehr häufig zum Einsatz, wenn die PWS-Kinder in den Stand kommen und Abweichungen der Fußachsen zeigen (z.B. bei Sichel-, Knick-  und Senkfüßen). Eine frühe Behandlung beugt dem möglichen Einsatz von orthopädischen Einlagen oder Schienen vor.

  • Psychomotorik

In der Psychomotorik stehen das selbsttätige Handeln des Individuums und die Wahrnehmung des eigenen Erlebens im Vordergrund. Gezielte Spiel- und Bewegungsangebote sollen dies fördern. Die Psychomotorik sieht die Entwicklung eines jeden Menschen als lebenslangen Prozess. Die aus der Psychomotorik hervorgegangene Mototherapie behandelt insbesondere Menschen mit Adipositas und ADHS.

Die Psychomotorik wird oft in Gruppen mit unterschiedlichsten Kindern ab dem 3. Lebensjahr in Kindergärten angeboten und kann bei PWS-Kindern die physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen ablösen.

  • Ergotherapie nach dem Bobath-Konzept

Ziel eines Ergotherapeuten/einer Ergotherapeutin ist es, einen in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkten oder von Einschränkung bedrohten Menschen so zu unterstützen, dass er seine Selbstständigkeit aufrechterhalten und sich und seinen Alltag selbst organisieren kann. Dieses wird über Bewegungserfahrungen eingeübt. In der Therapie werden physiologische Bewegungsabläufe angebahnt, die der Patient mit der Zeit effizient koordinieren und zielgerichtet einsetzen kann. Die größtmögliche Eigenständigkeit im Handeln ist ein wesentliches Ziel der Ergotherapie.

Was können Sie zu Hause tun?

Geben Sie Ihrem Kleinkind kleine Aufgaben, damit es seine Selbstständigkeit erproben kann. Ermuntern Sie es beispielsweise, sich selbst anzuziehen, sich das Gesicht und die Hände zu waschen und seinen Teller vom Tisch abzuräumen. Fördern Sie Aktivität. Machen Sie regelmäßige körperliche Bewegung zum Beispiel in Form von Bewegungsspielen zum selbstverständlichen Bestandteil Ihres Familienalltags, denn nur so können Sie der PWS-typischen Bewegungsunlust vorbeugen. Körperliche Bewegung verbessert den Muskeltonus, unterstützt die Gewichtskontrolle und befördert ganz allgemein die motorische Entwicklung.

Logopädie

Eine verzögerte Sprachentwicklung ist bei PWS-Kindern normal, jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Es gilt, bereits früh mit der Förderung der Mundmotorik einen ersten Grundstein für die erfolgreiche Bildung von Sprache zu legen. Das Saugen, Schlucken, Kauen und Brabbeln ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Doch nicht nur Schwierigkeiten mit den Bewegungen des Mundes können die Entwicklung von Sprache beeinträchtigen. Ein hoher Gaumen oder eine verminderte Speichelbildung können darauf ebenfalls einen entscheidenden Einfluss haben. Logopäden und auch Ergotherapeuten können bei Kommunikationsstörungen im verbalen und nonverbalen Bereich und bei verzögerter und gestörter Sprachentwicklung helfen, die beim PWS verschiedene Ausprägungen haben kann:

  • Störung der Artikulationsfähigkeit durch schwachen Muskeltonus und geringe Kontrolle über die Mundmuskulatur (Lippen, Zunge, Gaumensegel)
  • Resonanzprobleme trotz Muskelkoordination
  •  Nasalsprache, möglicherweise durch zu schwache oder unkoordinierte Bewegungen des Gaumensegels. Bewegungen zur Lautbildung sind schwach, undeutlich und schlecht koordiniert. („Dysarthrie“ (Sprachstörung infolge einer Sprechmuskelstörung))
  • Störung in der Planung von Artikulationsbewegungen des Mundes. Die Kinder wissen nicht, was ihre Muskeln tun müssen, um bestimmte Laute oder Lautfolgen zu produzieren. Charakteristisch sind ein begrenztes Lautrepertoire, verwaschene Sprache, häufiges Auslassen von Lauten und Silben, Schwierigkeiten bei der Lautimitation, Wortfindungsprobleme und Unsicherheit im Ausdruck.  Häufig nehmen Kinder Gebärdensprache als Hilfsmittel zur Kommunikation. („glosso-labiale Dyspraxie“ – eingeschränkte oder fehlende Fähigkeit, genaue Willkürbewegungen von Zunge und Lippe auszuführen (vergl. Pschyrembel))
  • Unausgewogenes Sprachprofil – das Sprachverständnis ist dem eigenen Ausdrucksvermögen weit voraus. Schwierigkeiten bei der Bildung von Konsonantenreihen und Wortfindungsprobleme.

Eine Sprachtherapie hilft:

» zu verstehen, was andere sagen
» nichtsprachliche Interaktion und allgemeinverständliche Gesten zu erlernen
» den eigenen Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen
» Sprachlaute zu produzieren und die Artikulation, Satzlänge und die Grammatik zu verbessern
» die Geschwindigkeit, den Rhythmus, die Intonation und die Lautstärke von Sprache sowie den Atemfluss zu kontrollieren
» den sprachlichen und sozialen Umgang (Augenkontakt, Gesprächseröffnung und -fortführung oder -übernahme) zu üben