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Prader-Willi-Syndrom Vereinigung
Deutschland e.V.
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Wohnen und Arbeiten für Menschen mit PWS im Frauenheim Wengern

Ein Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung und Selbständigkeit, in Würde und in Teilhabe an der Gesellschaft sowie inklusiv im Gemeinwesen zu ermöglichen – dafür begleiten und fördern wir Menschen mit Behinderungen je nach individuellem Bedarf und Wunsch.

Das Frauenheim Wengern hält ein breit gefächertes Angebot in den Bereichen Wohnen, Bildung, Arbeit, Förderung, Beratung und Freizeit im Ennepe-Ruhr-Kreis vor. Mehr als 200 Frauen und Männer nehmen jährlich unsere Leistungen in Anspruch, die wir seit fast 50 Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Das Frauenheim Wengern liegt in einem ländlichen Vorort der Kleinstadt Wetter. Der kleine Ortskern mit Supermarkt und anderen Einzelhandelsgeschäften  der Gemeinde Wengern sind nach ca. 2 km zu erreichen. Die nächsten Nachbarn sind Bauernhöfe. Diese ortsferne Lage garantiert gerade in der Anfangszeit ein überschaubares Maß an Außenreizen, die eine Betreuung der Menschen mit Prader-Willi Syndrom dadurch erleichtert, dass sie nicht ständig mit Nahrung und Nahrungsaufnahme konfrontiert werden. Bereits im Ansatz werden so Konflikte und Krisen vermieden. Mit der Einrichtung des Wohnangebotes im „Haus Alter Burghof“ wird Menschen mit dem PWS ein möglichst „heimatnahes“ Wohnangebot gemacht, so dass einerseits wichtige familiäre Bindungen bestehen bleiben und andererseits eine individuell angepasste Verselbstständigung ermöglicht wird.

Personenkreis

Die bisherigen Erfahrungen in der Betreuung von Menschen mit dem PWS zeigen, dass sich positive Entwicklungsverläufe dann einstellen, wenn die Wohngruppe homogen belegt ist, so dass sich die Betreuungs- und Förderplanung an den speziellen Verhaltensbesonderheiten und Problemstellungen der Betroffenen orientieren kann. Das Wohnangebot im Frauenheim richtet sich daher an Menschen mit dem PWS  und an Frauen und Männer, die eine Minderbegabung und starke Übergewichtigkeit vorweisen

Weitere Aufnahmekriterien sind Volljährigkeit sowie Werkstattfähigkeit. Die Wohngruppe ist mit Männern und Frauen belegt werden.

Räumliche Ausstattung

Die Wohngruppe ist für maximal 9 Personen ausgerichtet. Einzelzimmer, Sanitäreinrichtungen, Wohn-/Essbereich, Küche, abschließbarer Vorratsraum und Dienstzimmer stehen zur Verfügung.

Angegliedert an die Wohngruppe ist ein Appartement, in dem lebenspraktische Fähigkeiten intensiv trainiert werden können.

 

Konzept

Jede/r Bewohner/in hat einen nach Fähigkeiten und Ressourcen abgestimmten Hilfeplan, der folgende Bereiche umfasst:

Alltagsbefähigung

Der Prozess der Verselbstständigung wird unterstützt durch eine individuelle Betreuungs- und Förderplanung, die sich an den vorhandenen Kompetenzen der Betroffenen in den Bereichen der Selbststeuerung und Selbsteinschätzung sowie an den sozialen und lebenspraktischen Fertigkeiten orientiert. Bei der Umsetzung der Zielsetzung wird jede/r Bewohner/in durch eine/n Bezugsbetreuer/in intensiv begleitet und unterstützt.

Im Vordergrund aller Maßnahmen steht eine mit den Bewohnerinnen abgestimmt überschaubare Tages- und Wochenstruktur, die einhergeht mit eindeutigen Absprachen und Regeln.

Ernährung

Die Ernährung und das Essverhalten spielen bei der Betreuung der Menschen mit PWS eine herausragende Rolle. Angestrebt wird eine ausgewogene Kost mit ausreichender Kalorienmenge. Die bisherigen Erfahrungen  haben gezeigt, dass eine allzu strenge Diät und hohe Erwartungen einer schnellen Gewichtsreduktion zu erheblichem Stress und in der Folge zu ständigen Konfliktsituationen führen. Die Verhaltensbesonderheiten im sozialen Bereich erhöhen zudem die Anspannung und verstärken das problematische Essverhalten. Daher werden im Rahmen des Betreuungssettings durch eine Stabilisierung des Lebensumfeldes und Reduzierung des Konfliktverhaltens sowie durch eine moderate Diät die Voraussetzungen für eine stabile Gewichtsreduktion geschaffen werden.

In der Wohngruppe werden 5 regelmäßige Haupt- und Zwischenmahlzeiten in Begleitung der Mitarbeitenden eingenommen

Für die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung steht in der Großküche der Einrichtung eine Ökotrophologin zu Verfügung, die auch das Wohngruppenteam bei Ernährungsfragen beraten kann.

Darüber hinaus wird einmal wöchentlich gemeinsam gekocht.

Freizeitgestaltung

Das Freizeitangebot im Frauenheim Wengern umfasst Angebote der Wohngruppen sowie gruppenübergreifende Angebote der Einrichtung wie Malgruppe, Musikunterricht, Reittherapie, die von den BewohnerInnen je nach Interessenlage ausgewählt werden können. Die internen und externen Sport- und Bewegungsangebote sind für jeden / jede Bewohner/in verpflichtend, werden individuell zusammengestellt und von einem Sportpädagogen sowie den Mitarbeitenden der Wohngruppe begleitet. Die Einrichtung bietet darüber hinaus mehrtägige betreute Ferienfreizeiten und Tagesausflüge an.

Zusammenarbeit mit den Familien

Die systemische Ausrichtung der Betreuungsarbeit beruht auf einer engen Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilie, bei der bestehende Konflikte bearbeitet werden, sodass die bestehenden Ressourcen der Familie wieder allen Familienmitgliedern zur Verfügung stehen.

Zudem ist ein intensiver Austausch und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Bezugspersonen notwendig, um den Verhaltensbesonderheiten der Menschen mit dem PWS effektiv begegnen und langfristig eine positive Entwicklung anstoßen zu können.

Arbeit und Beschäftigung

Menschen schöpfen aus bezahlter Arbeit Identifikation und Selbstbewusstsein. Gesellschaftliche Akzeptanz ist eng verbunden mit einer sinnvollen Beschäftigung. Es geht grundsätzlich um Teilhabe am Arbeitsleben. Die „Werkstatt für behinderte Menschen – Frauenheim Wengern“ (WfbM) bietet Menschen mit Behinderungen sowohl berufliche Rehabilitation im Rahmen des Berufsbildungsbereiches (BBB) sowie fördernde und fordernde Dauerarbeitsplätze. Unter Anleitung und ständiger Begleitung kann in verschiedenen Arbeitsbereichen gearbeitet werden:

  • Grüner Arbeitsbereich mit Gartenbaubetrieb, Landwirtschaft, Fleischerei mit Bio-Laden (alles nach Bioland-Richtlinien)
  • Hauswirtschaftlicher Arbeitsbereich mit Hausreinigung und Wäscherei mit Heißmangel
  • Montage-Arbeitsbereich mit Systemmontage und Verpackung

Ein enger Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen Mitarbeitenden der Wohngruppe und der Arbeitsbereiche findet regelmäßig statt.

 

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