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  Andrea ist unsere erste Tochter und wurde im September 1984 mit allen typischen PWS- Merkmalen geboren. Geringe Kindbewegungen während der Schwangerschaft, Sondenernährung gleich nach der Geburt verbunden mit vier Wochen Krankenhausaufenthalt und mühsames Aufpäppeln eines kleinen Babys zuhause.Dies sollte sich aber schnell ändern. Sie wurde ein richtiger Wonneproppen. Immer ruhig und zufrieden, schlief tagsüber sehr viel und mit 10 Monaten lernte sie laufen. Da auch die sprachliche Entwicklung nicht gut war, konnte sie sich nicht so recht in das Familienleben einmischen.

Nun begann die Phase, in der wir uns, wie sich alle Eltern mit einem behinderten Kind fragen: Wie helfe ich meinem Kind optimal? Jede Woche zweimal Krankengymnastik, Sport und Spiel täglich zu Hause, ab dem 3. Lebensjahr Sprachtherapie durch einen Hauslehrer. Mit fast 4 Jahren kam sie in den Sprachheilkindergarten in Wilheimsdorf. Daran schloss sich die Einschulung in der gleichen Einrichtung an.

Bei der Ernährung habe ich immer auf eine gewisse Ausgewogenheit geachtet. Salat, Gemüse und Vollkornprodukte stehen dabei im Vordergrund. Die Küche und die Vorratsschränke sind bis heute nicht abgeschlossen. Probleme gab es immer dann, wenn ihre Schwester Sabine etwas bekam oder aß und sie nicht. Wir leben nach dem Grundsatz, nicht nur zu verbieten und zu verwehren, sondern vielmehr weniger und kalorienbewußter zu essen.

Im Jahr 1994, Andrea war 10 Jahre alt, wurde die Diagnose PWS bestätigt. Bis zu dieser Zeit mussten wir erkennen, dass Andrea "irgend etwas" hat. Aber dieses "irgend etwas" hatte für uns keinen Namen.

Nach einer längeren Zeit des "nicht akzeptieren wollen" und totaler Hilflosigkeit fingen wir an, uns aktiv mit PWS auseinander zu setzen.

Die Mitgliedschaft in der Bundesvereinigung, die Teilnahmen an den Jahrestagungen, Treffen in München, Aufenthalte in der Langau und viele gute Gespräche mit anderen Eltern helfen uns seitdem sehr.

Andrea ist zwischenzeitlich 15 Jahre alt, und besucht täglich immer noch das Sprachheilzentrum in Wilhelmsdorf. Sie geht in die 8. Klasse der Hauptschule. Bei den Lehrern ist sie für ihre Hilfsbereitschaft bekannt. So übernimmt sie regelmäßig die Pausenaufsicht im Kindergarten. Durch zwei Praktika hat sie ihre ersten Erfahrungen mit der Berufsweit gemacht. Der Beginn war im Berufsbildungswerk Winnenden, dann 2 Wochen Mithilfe in der Stadtgärtnerei Pfullendorf.

Wenn sie im nächsten Jahr die Schule verlassen wird, stehen wir vor einer ungewissen Zukunft. Es ist für uns nicht klar, ob Andrea eine weitere für sie angemessene Ausbildung machen kann oder ob sie in eine beschützende Einrichtung gehen wird.

Andrea ist zu einem sehr selbstbewussten Mädchen herangewachsen. So besucht sie oft alleine die Spiele unseres örtlichen Fußballvereins (Regionalliga), wo sie sich mit Freunden trifft. Sportlich betätigt sie sich beim Schwimmen. Als Pferdeliebhaberin geht sie jeden Freitag zum Voltigieren. Vor einigen Jahren hat Sie noch aktiv Handball gespielt.

Mit dem Fahrradfahren allerdings hat sie Probleme. Dies kann sie bis heute noch nicht. Als Ersatz fährt sie zuhause ihre Runden auf dem Heimtrainer.

Mit ihrem Gewicht waren wir bis vor zwei Jahren recht zufrieden. Dann kam die pubertäre Phase und die weiblichen Formen sind seitdem stark ausgeprägt. Das Gewicht nahm zu und ist sehr schwer wieder abzubauen. Mit homöopathischer Behandlung sowie Akupunktur können wir keine positive Veränderung verzeichnen.

Wenn ich unsere beiden Mädchen, Sabine ist 13, miteinander vergleiche, sind sie sich doch sehr ähnlich. Beide vertragen sich gut, können aber auch streiten dass die Fetzen fliegen. Beide sind in manchen Dingen sehr starrköpfig, können sich aber auch durch ein Gespräch wieder beruhigen lassen. Die Zornesausbrüche von Andrea sind nicht häufiger als die von Sabine allerdings etwas heftiger.

Wenn in unserem Bekanntenkreis über Kinder gesprochen wird, erzähle ich ebenfalls von Andrea's und Sabines's Guten und schlechten Taten. Dabei fühle ich mich gut und bin auf beide recht stolz. Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass man die anfängliche Hilflosigkeit mit einem PWS-behinderten Kind überwunden hat?